Hautzustände

Jeder Mensch hat einen bestimmten Hauttyp, der genetisch bedingt und daher nicht veränderbar ist.

Allerdings verändern auch verschiedene äußere (Bsp. Luftfeuchtigkeit, UV-Strahlung) und innere (Bsp. Hormone) Einflüsse die Eigenschaften des oberflächlichen Hautbildes. Dies bezeichnet man als Hautzustand.

Genauer gesagt ist es so, dass äußere und innere Faktoren die Menge und Zusammensetzung des Hydrolipidfilms beeinflussen, was dann zu einer sichtbar veränderten Hautoberfläche führt.

Der Hydrolipidfilm wird auch als „Säureschutzmantel“ der Haut bezeichnet, weil er den pH-Wert der Haut immer in einem leicht sauren Milieu hält (4,5-6,5) um Bakterien und Mikroorganismen eine erste Barriere auf ihrem Weg in den Körper zu bieten, da sich nicht alle in schwach saurem Milieu vermehren können.

Zusammengesetzt ist der Hydrolipidfilm der Haut v.a. aus Wasser der Schweißdrüsen und dem von den Talgdrüsen produzierten Fett (Talg), daher spielen diese beiden Größen bei der Beurteilung des Hautzustands eine primäre Rolle und sind auch in der Namensgebung dessen vorhanden, d.h. sich gegenüber stehen fettarm und fettreich, sowie feucht und trocken.

Wichtig ist die Bestimmung des entsprechenden Hautzustandes gerade auch für die Beratung in der Apotheke, da je nach Hautzustand Reinigungs-, Pflege- und sonstige Beratungshinweise variieren.

-> normale Haut

Der Zustand der „normalen“ Haut wird auch als „eudermisch“ bezeichnet. Sie tritt nur bei jungen Menschen auf, die keine Kinder mehr sind (Kinder haben trocken-fettarme Haut).

Normale Haut ist weder zu fett noch zu trocken, d.h. der Wasser- und Lipidhaushalt ist ausgeglichen. Die Poren sind nicht zu groß oder zu klein. Die Haut ist glatt, straff, weich, geschmeidig, gut durchblutet, rosig, geschmeidig und faltenfrei.

Das Pflegeziel ist die Erhaltung dieses Zustands, denn bei mangelnder oder zu vieler Reinigung oder Pflege mit den falschen Produkten (z.B. zu viele austrocknende Substanzen) kann sich dieser leicht in z.B. fettige (zu ölige Produkte) oder trockene (Produkte mit zu vielen Feuchthaltefaktoren) Richtung verschieben.

Durch natürliches Altern (auch als „Zeitaltern“ bezeichnet) verschiebt sich der Zustand allerdings auch, bei jedem Menschen. Sichtbar wird die Veränderung meist ab Ende des 30. Lebensjahrzehnts, bei fettig-feuchter Haut auch erst zwischen 40-50. Spätestens mit 60 jedoch hat man als Mensch den Zustand der fettarm-trockenen haut i.d.R. erreicht.

-> fettarm-trockene Haut

Dies ist oben benannter Zustand der Haut, der früher (ab 30) oder später (mit 60) bei jedem Menschen natürlich (d.h. durch biologisch bedingte Alterungsprozesse des gesamten Organismus) auftritt und der daher auch als „Altershaut“ bezeichnet wird.

Eigenschaften des Hautzustandes sind schuppiges Aussehen (d.h. sichtbare weiße Hautschüppchen), Glanzlosigkeit, verringerte Dicke der Hautschichten, Falten, Flecken und Spannungsgefühl, ganz kleine Poren, keine Mitesser und Pickel.

Aus diesen Eigenschaften heraus ergibt sich auch die Bezeichnung des Zustands als „empfindliche“ Haut. Schließlich ist unsere Haut für uns die Schutzbarriere Nummer eins zur Außenwelt. Sämtliche Stoffe müssen diese Barriere erst einmal überwinden. An oberster Stelle ist da der Hydrolipidfilm zusammen mit der Hornschicht der Haut.

Die Hornzellschicht, auch stratum corneum genannt, ist die letzte und daher oberste Hautschicht. Sie besteht aus Hornzellen. Das sind abgestorbene Zellen ohne Zellkern und sonstigen Zellorganellen, die also im Prinzip nur noch aus der Hornsubstanz (=Keratin) bestehen, die in ihnen gebildet wurde, weshalb sie auch als Keratinozyten (=Keratin bildende Zellen) bezeichnet werden. Sie wurden ursprünglich in der Basalzellschicht gebildet und wurden dann von den immer nachkommenden neuen Zellen, die nach ihnen in der Basalzellschicht gebildet wurden, immer weiter nach oben gedrückt. So erneuert sich die Haut i.d.R. in einem Zyklus von 28 Tagen komplett. Das stratum corneum kann, je nach Bereich, 12 bis 200 Zellschichten dick sein.

Die Hornzellen jedenfalls sind verbunden durch Lipidkomponente, d.h. durch Fett. Das kann man sich wie Stein und Mörtel vorstellen, die Hornzellen als Mauersteine und die Lipide als Mörtelsubstanz um die Bestandteile zu verbinden. Die Feuchtigkeitskomponente (Wasser) sorgt dafür, dass die Schutzmauer nur mit den Lipiden nicht zu lipophil, weil dann ja auch kein Wasser mehr von außen aufgenommen werden könnte. Die Mauersteine halten Staubpartikel, Bakterien, Pollen ab und die hydro- und lipophilen Elemente sorgen dafür, dass die haut elastisch, d.h. veränderbar bleibt (notwendig z.B. v.a. bei Schwangerschaft).

Ist die Haut also zu fettarm ist die „Mörtelsubstanz“ zwischen den Zellen nicht ausreichend, es entstehen Lücken. Mehr Hornzellschichten werden direkt abgetragen, werden sichtbar, fallen ab, obwohl sie durch den natürlichen Druck von innen noch gar nicht soweit wären, nur weil sie nicht mehr ausreichend miteinander verbunden sind. Die Haut wird also dünner. Mechanischer Schutz ist also auch weniger gegeben.

Außerdem ist die Säureschutzfunktion der Haut mit zu wenig Wasser und Fett auch nicht ausreichend gegeben. Kommt es aufgrund Einwirkung bestimmter Substanzen (Bsp. Seifen) zu einer Verschiebung in den alkalischen Bereich dauert es aufgrund geringerem Hydrolipidfilmvolumen) einfach länger bis dies wieder neutralisiert ist (nennt man dann „fehlende Alkalineutralisationsfähigkeit“). Und dadurch, dass die Haut ihr natürlich leicht saures pH-Milieu nur langsamer wieder herstellen kann (eigentlich in 0,5h, aber bei fehlender Alkalineutralisationsfähigkeit auch bis zu 3 h) ist die Zeitspanne erhöht, indem sich pathogene Bakterien gut ansiedeln können. Die Infektanfälligkeit ist also erhöht. Auch daher ist die Haut „empfindlicher“.

Für diesen Zustand ist die Zuführung sowohl von Fett wie auch Feuchtigkeit wichtig und außerdem muss darauf geachtet werden, dass Produkte möglichst „mild“ sind (wegen fehlender Säureschutzmantelfunktion), weshalb der Hautzustand ebenfalls als „anspruchsvoll“ bezeichnet wird.

-> fettarm-feuchte Haut

Der Zustand der fettarm-feuchten Haut ist selten und entsteht wenn fettarm-trockene Haut durch äußere Einflüsse ständig überfeuchtet wird, aber das Wasser aufgrund fehlender natürlicher Feuchthaltefaktoren nicht lange gehalten werden kann. Es kann also z.B. an zu feuchter Pflege liegen.

-> fettig-feuchte Haut

Dieser Zustand wird oft auch einfach nur als „fettige“ Haut bezeichnet, oder auch als „Seborrhoe oleosa“.

Seborrhoe beschreibt eine gesteigerte Talgdrüsensekretion.

Die Talgdrüsensekretion wird übrigens durch Androgene („männliche“ Sexualhormone; „männlich“ nur deshalb, weil sie ebenfalls für die Ausbildung männlicher Merkmale wie Bartwuchs und tiefe Stimmlage verantwortlich sind, aber auch Frauen haben Androgene) ausgelöst.

Dieser Hauttyp kann also erst ab Beginn der Pubertät vorkommen, und da er zusammen mit genetischer Disposition eine Voraussetzung für Akne ist, bekommen Teenager mitunter auf einmal Probleme mit Akne-Zuständen ihrer Haut.

Fett-feuchte Haut ist glänzend, grobporig, dick und ggf. mit (zahlreichen) Mitessern bedeckt.

Durch den hohen Fettgehalt verschiebt sich der Übergang zu fettarm-trockenem Zustand, d.h. Altershaut, auf spätere Zeitpunkte und die Haut ist widerstandsfähiger (weil dicker).

Eine regelmäßige und hinreichende (d.h. nicht nur mit Wasser, denn auch fettige Elemente müssen entfernt werden) Reinigung ist aber dennoch besonders wichtig, da es sonst bei Verlegung der Poren, durch Schmutz o.ä., leicht zur Bildung von Mitessern und so auch schnell zu einem Übergang in entzündliches Stadium (Pickel und Akneknötchen) kommt.

Das ist nämlich genau der Weg wie es zur Entstehung eines Akne-Zustands kommt.

Zunächst kommt es zu einer Talgstauung im Haarfollikel (Talgdrüsen sind an Haarfollikel gebunden). Das kann z.B. aufgrund von äußerlicher Verlegung durch Schmutz sein, oder aufgrund Hyperkeratose (erhöhte Verhornung) in diesem Bereich. Es entsteht ein weislicher Mitesser, in der Fachsprache auch als „Komedon“ bezeichnet (auch als „Whitehead“, weil weis), da die Talgstauung durch die Haut durchscheint. Mit der Zeit drückt weitere Talg den Komedo auf und es entsteht aufgrund von Oxidation und Verschmutzung ein schwarzer Mitesser („Blackhead“).
Dieser Zustand ist für den fett-feuchten-Hautzustand typisch. Sind viele Mitesser vorhanden, wird der Zustand auch als „unreine“ Haut bezeichnet.

Entzündet sich eines der Komedonen entsteht ein Pickel, oder ein „Akneknötchen“, wird dieses dann mit Propionibacterium acnes infiziert und kommt es aufgrund Aufplatzens oder durch äußerlichen mechanischen Druck (dran rumspielen z.B.) zu einer Entleerung der Talg-Hornsubstanz-Entzündungsmasse in umliegendes Gewebe und ist zusätzlich eine genetische Prädisposition vorhanden (was wohl bei 70-95% der Jugendlichen der Fall ist), dann kommt es zur Ausbildung eines Akne-Zustands mit Pusteln etc.

Wenn es bereits dazu gekommen ist sollten keine Peelings genutzt werden, da diese eben genau zu einer solchen Entleerung führen würden, ansonsten sind Peelings für den fett-feuchten Hautzustand absolut empfehlenswert, weil sie dabei helfen oberste Hornzellschichten abzutragen und Komedone zu bekämpfen. Außerdem ist auch hier regelmäßige Reinigung wichtig um Talg zu entfernen um es gar nicht erst zur Verstopfung irgendwelcher Poren kommen zu lassen.

Das Pflegeziel ist einfach die Überführung in einen normalen Hautzustand.

Das Vorkommen von fettig-feuchter Haut beschränkt sich außerdem meist auf Gesicht, Rücken und Dekolleté, da dort v.a. Talgdrüsen vorhanden sind.

-> fettig-trockene Haut

Auch dieser Zustand ist selten und entsteht z.B. bei Pflege eines fettig-feuchtem Hautzustand mit zu viel austrocknenden Präparaten.

Die Haut ist dann fettig, aber wenig elastisch und neigt zu Spannungen.

Die Pflege sollte wieder Feuchtigkeitsfaktoren enthalten.

-> Mischhaut

Das ist der Hautzustand, der am häufigsten vorkommt (90% der Menschen).

Er wird auch als „Seborrhoe sicca“ bezeichnet, da auch hier wieder eine vermehrte Talgdrüsensekretabsonderung vorliegt, was aber durch die trocken-fettarmen Bereiche der Haut wieder ausgeglichen wird (v.a. im Gesicht), sodass die Haut äußerlich gar nicht fett-feucht erscheint.

Die Mischhaut besteht also sowohl aus trocken-fettarmen und feucht-fettigen Hautzuständen, wobei aufgrund oben beschriebenem Aspekt keiner sehr stark ausgeprägt ist. Beide weiche  nur etwas vom normalen Zustand ab, sodass i.d.R. die gleichen Pflegeprodukte wie bei normaler Haut verwendet werden können.

In der T-Zone des Gesichts (Stirn und Nase bis Kinn) ist die Haut fettig-feucht und an den Wangen fettarm-trocken.

 

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