Herz-Kreislauf-Erkrankungen

A. Koronare Herzkrankheit

Definition: Erkrankung der Herzkranzgefäße (Koronararterien)

Ursachen: KHK ist i.d.R. in sklerotischen Veränderungen der Herzkranzgefäße begründet, wodurch die Sauerstoffversorgung des Herzens sinkt, da dieses bereits im Ruhezustand über 70% des Sauerstoffgehaltes im Blut extrahiert. Es kann nicht, wie andere Organe, die Sauerstoffaufnahme einfach erhöhen, denn diese ist abhängig von Gefäßtonus und -querschnitt der Koronararterien, von Blutviskosität und Dauer der Diastole.

Durch arteriosklerotische Schäden entstandene Plaque können durch Entzündungsprozesse  aufbrechen, sodass es zur Thrombusbildung an der Rissstelle kommt, was den Verschluss der Koronararterien verursachen kann. Dier verursacht, je nach Größe und Lokalisierung, ggf. innerhalb von Sekunden, einen Myokardinfarkt.

Symptome:

  • Schmerzattacken, die an Angina pectoris erinnern
  • Nächtliche Dyspnoe

Anmerkung: KHK bleibt mitunter lange symptomlos, arteriosklerotische Plaques können über Jahre hinweg stabil bleiben. Personen, die einer Risikogruppe angehören und darüber hinaus über typische Schmerzen klagen, sollten daher dringend an den Arzt verwiesen werden (Bsp. Männer in fortgeschrittenem Alter, hormonell verhütende junge Raucherinnen).

Symptome eines Herzinfarktes:

  • Schmerzen im Brustkorb (> 5 Min.), die ggf. in Arme/ Schultern/ Hals/ Kiefer/ Oberbauch ausstrahlen
  • starkes Engegefühl, heftiger Druck im Brustkorb, Angst
  • Luftnot, Übelkeit -> Erbrechen
  • Schwächeanfall, ggf. Bewusstlosigkeit
  • Kalter Schweiß, blasse und fahle Gesichtshaut

Anmerkung: Bei Frauen treten oft auch nur die Symptome Luftnot, Übelkeit -> Erbrechen und Oberbauchschmerzen auf. -> Notarzt!

Maßnahmen

  • Veränderung des Lebensstils (zur Eliminierung bzw. Minimierung der Risikofaktoren)
    • Normalisierung des Körpergewichts
    • „herzgesunde“ Ernährung
    • Regelmäßige körperliche Aktivität (z.B. spazieren gehen)
    • Nichtrauchen
  • Behandlung von Hypertonie, erhöhten Blutfettwerten und Diabetes mellitus Typ 2
  • medikamentöse Dauerprophylaxe (Bsp. 50-160mg ASS pro Tag)

Anmerkung: Erkrankungen wie KHK, Herzinsuffizienz, Hyperlipoproteinämie und Hypertonie werden ausschließlich durch den Arzt behandelt. In anfänglichen Stadien können Weißdorn und Knoblauch empfehlenswert sein, allerdings entwickeln sich Herz-Krankheiten auch nicht „von jetzt auf gleich“. Im Beratungsgespräch wichtig für PTAs ist v.a. die richtige Anwendung vom Arzt verschriebenen Medikamente sicherzustellen und Anwendungstipps für eine „herzgesunde Lebensführung“ zu geben.

Maßnahme: Herzgesunde Ernährung:

  • gesättigte Fettsäuren <-10%
    • Gesättigte Fettsäuren führen zu einer Erhöhung des schädlichen LDL-Cholesterins und sollten daher maximal 10% der Gesamtenergie betragen.
  • Transfettsäuren          <- wenig         
    • Transfettsäuren führen zu einem Anstieg des LDL-Cholesterins und zur Absenkung des HDL-Cholesterins, daher sollten sie möglichst wenig aufgenommen werden.
    • Enthalten sind sie v.a. in Produkten mit gehärtetem Fett, also z.B. in Gebäck, Frittiertem und früher auch großflächig in Margarine (geändertes Produktionsverfahren).
  • einfach ungesättigte Fettsäuren (Monoensäuren)               <- 15%
    • Einfach ungesättigte Fettsäuren sind gut für den Körper, da sie das Gesamtcholesterin und den LDL-Cholesterinspiegel senken. Sie sollten daher bis zu 15% der Gesamtfettzufuhr ausmachen.
    • Enthalten sind sie in der Form von Ölsäure, dem wichtigsten Vertreter der Monoensäuren, z.B. in Olivenöl, Rapsöl und Erdnussöl.
  • mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Polyensäuren)               <- max. 7-8%
    • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren werden als „essentiell“ bezeichnet, da sie vom Körper selber nicht hergestellt werden können.
    • Omega-3-Fettsäuren sind wichtig, da aus ihnen sogenannte „Eicosanoide“ abgeleitet werden, die entzündliche Prozesse hemmen, die Blutgerinnung durch Verminderung der Plättchenaggregation und -adhäsion beeinflussen und vasodilatatorisch wirken, sodass die Thromboseneigung sinkt, die Blutungszeit verlängert wird und es zu einer Senkung des Blutdrucks kommt. Eicosanoide sind z.B. auch Thromboxane, Prostaglandine und Leukotriene.
    • Zur Gruppe der Omega-3-Fettsäuren gehören ALA (α-Linolensäure), EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosalhexaensäure).
    • Jede Fettsäure für sich hat nur geringe pharmakologische Wirkung, in Kombination ist allerdings der Einfluss auf die KHK-Risikofaktoren so groß, dass einige von ihnen auch in Form von Arzneimitteln zugelassen sind.
    • Beispielsweise hat man festgestellt, dass bei Personen mit stattgehabtem Herzinfarkt das diesbezüglich vorhandene Mortalitätsrisiko um 30% gesenkt werden konnte, im Vergleich zu einer Placebogruppe.
    • Neben Omega-3-Fettsäuren sind Omega-6-Fettsäuren essentiell. Es ist nur Vorsicht geboten, da bei einer übermäßigen Aufnahme vom Omega-6-Fettsäuren es zu einer Störung im Lipidstoffwechsel mit gesteigerter Lipidperoxidation kommen kann. Daher sollten max. 7-8% der Energie mit Polyensäuren zugeführt werden und das Verhältnis zwischen Omega-6-Fettsäuren und Omega-3-Fettsäuren dabei bei etwa 5:1 liegen.
    • Enthalten ist α-Linolensäure v.a. in Leinöl, Sojaö, Walnussöl und Rapsöl.
    • Eicosapentaensäure und Docosahexaensäuren kommen v.a. in Schalentieren und fetten Seefischen wie Lachs und Hering vor.
    • Linolsäure, eine Omega-6-Fettsäure, ist in Distelöl, Sonnenblumenöl und Maiskeimöl enthalten.
  • Vitamin E                    <- 200-400mg/Tag prophylaktisch
    • Vitamin E hat einen direkten Einfluss auf die Zusammensetzung der arteriosklerotischen Plaques, da es als Radikalfänger die Lipidoxidation reduziert.
    • Desweiteren hemmt Vitamin E auch die Produktion von Stickstoffmonoxid und Vitamin-K-abhängiger Gerinnungsfaktoren.
    • Allerdings hat sich gezeigt, dass Vitamin E wirklich langfristig (min. 2 Jahre lang) mit min. 200-400mg pro Tag eingenommen werden muss um das Herzinfarktrisiko zu senken.
    • Vitamin E ist viel in Himbeeren enthalten.
  • Sonstige Antioxidanzien
    • Da arteriosklerotisch bedingte Befunde immer in einer Schädigung des Endothels begründet sind, sodass es zu einer endothelialen Dysfunktion kommt, wobei die Ursache dafür z.B. oxidativer Stress sein kann, ist die Aufnahme von Antioxidanzien empfehlenswert. Zumindest verstärkt oxidativer Stress die entstehende bzw. entstandene Problematik. Über die Nahrung aufgenommene antioxidativ wirkende Vitamine stehen dem entgegen. Β-Carotin selbst ist kein Vitamin, kann aber in Vitamin A umgewandelt werden. Neben Vitamin E ist Vitamin C noch zu empfehlen.
    • Enthalten sind natürliche Antioxidanzien in Obst und Gemüse!
  • Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12    
    • Der Bedeutung  von Folsäure geht wahrscheinlich auf seine Beteiligung am Homocysteinabbau zurück. Dafür notwendig sind Folsäure, Pyridoxin (B6) und Cobolamin (B12). Ist eines dieser Vitamine unzureichend vorhanden beeinträchtigt das den Homocysteinabbau, wobei Folsäure diesbezüglich anscheinend höchste Relevanz besitzt.
    • Die Supplementierung von Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 über mindestens 3 Wochen normalisiert einen erhöhten Homocysteinspiegel i.d.R. nach derzeitigen Erkenntnissen.
  • Ballaststoffe               <- viel
    • Ballaststoffe  binden das Cholesterin im Darm und verursachen so eine Senkung der Blutcholesterinwerte
  • Knoblauch                   <- 900mg/Tag prophylaktisch
    • Knoblauch hemmt die Thrombozytenaggregation, steigert die fibrinolytische Aktivität, sorgt für eine Optimierung der Blutviskositätund hat eine positive Wirkung auf den Cholesterin- und Triglyceridspiegel wenn die Einnahme langzeitig präventiv vor Bildung arteriosklerotischer Befunde begonnen wird. Auch der Wirkungseintritt erfolgt erst nach einigen Wochen
    • Anmerkung: Positive Effekte wurden bei der Einnahme von 900mg pro Tag von stabilisiertem standardisiertem Knoblauchpulver festgestellt. Dieses enthält das noch intakte Enzym Alliinase und ist in seiner Wirkung somit mit frischen Knoblauchzehen vergleichbar, wohingegen Knoblauchöl (Ölmazerat; enthält Ajoene, 2- und 3-Dithiin, Allysulfide) und Ätherisches Knoblauchöl (Diyllyldi- und trisulfide) in der Wirkung nicht zu vergleichen sind.

Anmerkung: Unter einer „herzgesunden“ Ernährung versteht man heutzutage nicht mehr das möglichst grundsätzliche Verzichten auf Fette jeder Art sondern die Optimierung der Konzentrationsunterschiede der aufgenommenen Fette zueinander und die Verwendung möglichst vorteilhafter Qualität (vgl. o.).

Davon abgesehen wurde die Bedeutung des über die Nahrung aufgenommenen Cholesterins im Hinblick auf die Blutfettwerte lange überschätzt.

Von der aufgenommenen Nahrung wird etwa 50% resorbiert, gleichzeitig verfügt der Mensch über einen Regelmechanismus, sodass die körpereigene Produktion (tgl. etwa 1-2g) an die über die Nahrung zugeführte Menge angepasst wird.

Empfohlen wird die Reduktion des Fettanteils der Energiezufuhr insgesamt  auf nur 30%.

Maßnahme: Körperliche Aktivität:

Im Bereich körperliche Aktivität zeigen bereits kleine Wege großen Erfolg.

Spazieren gehen erhöht die Organdurchblutung, baut oxidativen Stress durch vermehrte Bildung von Superoxid-Dismutase und verbessert so auch das Plasmalipidprofil. Als Superoxid wird im Übrigen das hochreaktive Sauerstoff-Radikal bezeichnet.

Eine tägliche 20-minütige Bewegung reduziert die Mortalitätsrate um 29%. Ein tgl. Spaziergang von 3km Länge bessert die Gesamtmortalität bei Männern ohne KHK über 65 Jahren um 50%. Ein täglicher Spaziergang von 2km Länge reduziert das KHK-Risiko bei postmenopausalen Frauen um 30%.

Selbstmedikation:

  • Supplementierung von Folsäure + Vitamin B6 und Vitamin B12 zur Normalisierung des Homocysteinspiegels für min. 3 Wochen
    • Bsp. Doppelherz® Seefischöl Omega-3 1000mg enthält 180mg Eicosapentaensäure und 120mg Docosahexaensäure und zusätzlich noch 300µg Folsäure und 1,1mg Vitamin B1, 3mg Vitamin B6, 3µg Vitamin B12 und 10mg Vitamin E. Die Einnahme erfolgt 2*tgl. jeweils mit einem Glas Wasser
  • 1-1,5g Omega-3-Fettsäuren pro Tag zur Senkung des Mortalitätsrisikos
    • ! Bei Patienten, die Antikoagulanzien einnehmen, ist allerdings aufgrund der verlängerten Blutungszeit Vorsicht geboten.
    • Die Einnahme erfolgt am Besten mit dem Essen um fischiges Aufstoßen mit ggf. Übelkeit und Blähungen zu verhindern.
    • Bsp. Cefaomega 500mg enthält 298mg Eicosapentaensäure und 202mg Docosahexaensäure und zusätzlich 6mg Vitamin E. Die Einnahme erfolgt einmal tgl. zusammen mit einem Glas Wasser. Besonders ist hierbei, dass ein spezieller Überzug fischiges Aufstoßen nach der Einnahme verhindert.
    • Bsp. Sanhelios Lachsöl Omega 1000mg enthält 180mg Eicosapentaensäure und 120mg Docosahexaensäure. Die Einnahme erfolgt einmal tgl. zusammen mit einem Glas Wasser.
    • Bsp. Orthomol cardio

Anmerkung: Weitere Supplementmöglichkeiten sind L-Arginin und roter Reis. Die genaue Wirkung und positive Wirksamkeit bei KHK-assoziierten Befunden ist nicht abschließend geklärt. Von der Selbstmedikation mit sog. „rotem Reis“ sollte abgesehen werden, da der Hauptwirkstoff hierbei Monakolin K ist, der chemisch mit Lovastatin identisch ist. Dieser Wirkstoff wird tatsächlich bei Hypercholesterinämie eingesetzt und ist daher definitiv wirksam, allerdings entsteht bei der  Fermentation von gekochtem weißen Reis mit dem Pilz Monascus purpureus (Herstellung von rotem Reis) eine Vielzahl anderer Stoffe, deren Wirkungen und Relevanz diesbezüglich nicht geklärt ist. Außerdem ist bei Monakolin K mit den gleichen Nebenwirkungen, Kontraindikationen und Interaktionen zu rechen wie bei Lovastatin. Produkte mit rotem Reis, die eine Tagesdosis von 5mg Monakolin K erreichen sind daher auch als zulassungspflichtige Arzneimittel einzustufen.

L-Arginin wirkt ggf. gefäßerweiternd, womit die Möglichkeit besteht, dass eine Einnahme eine bestehende endotheliale Dysfunktion bessert. Effekte sind allerdings erst bei einer Aufnahme von mehreren Gramm pro Tag zu erwarten.

Prävention:

  • 900mg stabilisiertes standardisiertes Knoblauchpulver pro Tag einige Wochen lang bis Wirkeintritt, danach langfristig präventiv
  • 200-400m Vitamin E für min. zwei Jahre
    • Bsp. Eusovit 201, Evit, E-Vitamin-ratiopharm, Aptovit forte/ fortissimum, 1.000 I.E.

Anmerkung: Zur Prävention sind noch nicht abschließend geklärte mögliche weitere Supplemente Phospholipide und L-Carnitin.

Phospholipide sind Bestandteil jeder Zellmembran und spielen eine maßgebliche Rolle hinsichtlich deren Flexibilität bzw. „Fluidität“. Es wird vermutet, dass eine Aufnahme von Phospholipiden, die auch vom Körper selbst synthetisiert werden, den Schutz vor oxidativem Stress vergrößert.

L-Carnitin kann erwiesenermaßen bei einer ausreichend hohen Zufuhr von min. 1g pro Tag die Folgeschäden einer Sauerstoffunterversorgung bei bestehender Myokard-Ischämie reduzieren, inwiefern diese Wirkung bei KHK-Patienten präventiv relevant ist, ist nicht hinreichend geklärt.

Begünstigende Faktoren:

  • rauchen
  • Bluthochdruck
  • Übergewicht
  • Hyperlipidämien
  • Diabetes mellitus Typ 2 und Vorstufen
  • Geschlecht (Männer sind gefährdeter)
  • Alter

Liegen mehrere Faktoren vor steigt auch die Wahrscheinlichkeit einen Myokardinfarkt zu erleiden. Sind zwei Faktoren zutreffend steigt die Wahrscheinlichkeit dabei um das Dreifache, bei drei Faktoren bereits um das zehnfache.

Anmerkung: Sonstige Faktoren, deren Einflussnahme noch nicht abschließend geklärt ist, sind: Menopause, Fibrinogenwerte und ein erhöhter Homocysteinspiegel.

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