Augen _ Notizen

*Kunden unbedingt zu Arztbesuch raten, sollten sich die Beschwerden nicht kurzfristig bessern

*Phenylquecksilbersalze (Konservierungsmittel von Augentropfen) lagern sich in die Linsenoberfläche ein

*Speicherung in Pigmentblättern der Retina viel höher als in sonstigen Teilen des Organismus

  • 80-mal höher für Chloroquin
  • 15-mal höher für Phenothiazine
  • sodass z.B. einige Antibiotika sich soweit anreichern können um resistente Keime lokal (!) zu behandeln

 

*Verweilzeit des AM wird durch Tränenflüssigkeit-Strömungen und Kreislaufsysteme des Auges (Blutkreislauf, Kammerwasser) stark verkürzt

  • Augentropfen bleiben nur 5-8 Minuten im Bindehautsack (-> sind dann bereits in Tränensack abgespült)

 

-> Hinweise _ Augen-AM _ Allgemeines:

  • angebrochene Packungen zeitnah aufbrauchen (bakterielle Kontamination!)
  • Augen-AM in Kunststoffbehältern jeweils in Packkarton zurück (oder lichtgeschützt aufbewahren) (Zersetzung durch Lichteinfluss!)
  • unter Verschluss lagern (bzw. für Kinder unzugänglich
    • 1% Atropin ist für Kinder bereits tödlich
  • das gleiche Fläschchen immer nur von einer Person nutzen!
  • Applikationsabstand von min. 10 Minuten zischen verschiedenen Augentropfen
  • Augentropfenflasche vor Applikation mit Hand (oder z.B. in Hosentasche) etwas anwärmen

 

-> Hinweise _ Augen-AM _ Applikation:

  • vor Applikation Hände waschen
  • Kontaktlinsen herausnehmen (danach frühestens nach 15 Min wieder einsetzen)
  • Salben- oder Sekretreste am Auge mit sauberen (!) Einmaltuch entfernen
  • Applikation:
    1. im Sitzen, Kopf in Nacken
    2. Augenlid nach unten ziehen, Blick nach oben auf festen Punkt
    3. Augentropfen-Fläschchen über Auge halten (ohne direkten Kontakt!) und Tropfen in Bindehautsack fallen lassen
    4. Augen für etwa 30 Sekunden schließen und Augäpfel bewegen
    5. Finger 2-5 Minuten auf Augeninnenwinkel drücken um zu schnelles Abfließen in Tränen-Nasen-Kanal zu verhindern
  • Bei Augensalben Augenlid leicht herunterziehen und Tube von der Seite her ausdrücken

 

*UV-Strahlung schädigt Augen

  • begünstigt Entstehung von grauem Star und fördert Makuladegeneration

 

-> Sonnenbrille _ wichtige Faktoren:

  • Blendschutz (Reduktion des sichtbaren Lichts, sodass Auge nicht geblendet wird)
    • abhängig von Helligkeit (<- abhängig von Breitengrad, Bedecktheit des Himmels, Standort Meer oder z.B. Hochgebirge)
    • Kategorie I – V (heimische Breiten sind Kategorie II <- 18-43% Lichtdurchlässigkeit)
  • UV-Schutz
    • optimal: Blockierung von allen Wellenlängen unter 400nm (oft gekennzeichnet mit „UV 400“)
    • unabhängig vom Tönungsgrad
  • Form
    • bis zu den Augenbrauen und seitlich zum Gesichtsrand, eng anliegend

Anm.: Die Tönung der Gläser sagt nichts über den UV-Schutz aus! Dunkle Gläser ohne Schutz schaden mehr, als dass sie nützen, da durch die weitere Öffnung der Pupillen noch mehr UV-Strahlen ins Auge gelangen.

 

*es gibt auch Kontaktlinsen mit eingebautem UV-Schutz

 

->Notfallmaßnahmen bei Verätzungen:

  • Betroffenen hinlegen
  • Auge spülen (aus 10cm Entfernung von oben)
    • sterile physiologische Kochsalzlösung oder steriles Wasser für Injektionszwecke
    • notfalls unter Leitungswasser
    • idealerweise mit Augendusche
    • gesundes Auge schützen!
  • Dreiecktuch über beide Augen legen und am Kopf festbinden (kein Druckverband ! und kein Druck auf verletztes Auge ! )

Anm.: beide Augen verbinden, da Ruhigstellung so optimal

  • Beruhigend mit betroffenem Reden, Maßnahmen erklären
  • Betroffener sollte schnellstmöglich Augenarzt aufsuchen!

 

A. Altersabhängige Makuladegeneration

AMD = altersabhängige Makuladegeneration

  • durch Ablagerungen von Stoffwechselprodukten (sog. Drusen <- erkennbar durch Optiker als unterschiedlich große gelbe Punkte auf Augenhintergrund)
  • Formen: trockene und exsudative AMD
  • Ursachen: nicht geklärt (genetisch + Umweltfaktoren, z.B. Sonnenlichtexposition und Ernährung)
  • Risikofaktoren: arterielle Hypertonie und Nikotinkonsum, oxidativer Stress

 

->Symptome _ AMD:

  • zunächst: verschwommene und verzerrte Wahrnehmung im Zentrum des Gesichtsfeldes
  • im Verlauf: fortschreitender Sehverlust

 

*trockene Form der AMD ist derzeit nicht behandelbar (i.d.R. langsam voranschreitend)

  • wechselt ggf. schnell in aggressive exsudative Form (schnellerer Visusverlust)

 

*Ranibizumab z.B. zur Behandlung exsudativer Formen (wird in die Glaskörper injiziert)

 

*natürlicherweise schützt das makuläre Pigment (aus Anreicherungen von Lutein und Zeaxanthin) durch Filtereffekt und antioxidative Wirkung

 

*bei Patienten mit mittelgroßen bis großen Drusen kann ein hochdosierter Vitaminkomplex empfohlen werden (vgl. u)

  • kein Beta-Carotin für Raucher! (erhöht Lungenkrebsrisiko)

 

ARED-Studie:

  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Antioxidanzien und AMD
  • randomisiert und placebokontrolliert
  • 700 Probanden mit unterschiedlichen Formen der AMD, 7 Jahre lang
  • Präparat: 500mg Vit. C, 400 I.E. Vit. E, 15mg Beta-Carotin, 80mg Zink, 2mg Kupfer
  • Erkrankung konnte bei Probanden mit mittelgroßen bis großen Drusen in beiden Augen gebremst werden; Patienten im Frühstadium profitierten nicht
  • ARED-II-Studie zeigte, dass Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren und Lutein/Zeaxanthien keinen nachweislichen schützenden Effekt zeigt

 

->Empfehlungen_AMD-Prophylaxe:

  • Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Fisch
  • Vermeidung von Stress
  • Bei bestimmten Patieten (vgl. o.) ggf. hochdosierter Vitmaminkomplex

 

*Kontaktlinsenträger sollten auf Reisen immer entsprechende Brille mit Seestärke mitführen

  • Bei Bindehautreizungen (z.B. durch Sonneneinstrahlung, Meerwasser, Staub) dürfen Kontaktlinsen nicht mehr getragen werden

 

*Brille einmal jährlich nachmessen

  • schlechte Sicht z.B. durch nicht sichtbare mikroskopische Kratzer führen zu schneller Ermüdung der Augen oder Augenflimmern

 

*Personen ab 40 Jahren sollten regelmäßig Augeninnendruck messen lassen

*bei Einnahme von syst. Glucocorticoiden >3 Wochen ebenfalls regelmäßig Augeninnendruck messen lassen

 

->Wann kommt es zu Erhöhung des Augeninnendrucks? Missverhältnis zwischen Zu- und Abfluss des Kammerwassers

 

B. Glaukom

Glaukom = grüner Star

  • symptomfrei -> schädigt allerdings Sehnerven und führt in 10-15 Jahren zur Erblindung (daher regelmäßige ärztliche Kontrolle wichtig!)

 

->Glaukom _ Therapie (Rp!):

  • Pilocarpin, Clonidin, Dorzolamid
  • Latanoprost, Tafluprost, Travoprost

Anm.: Senkung des Augeninnendrucks ist nicht „wohltuend“ -> Compliancegefährdung

 

*bei allgemeinen Reizerscheinungen des vorderen Abschnittes mit übermäßiger Tränensekretion können Vasokonstringenzien (kurzfristig!) eingesetzt werden

  • B. Tetryzolin, Tramazolin
  • generell möglich Ursache beseitigen (Bsp., Zugluft, Erkältung etc.)

Anm.: bei wiederholtem Auftreten an Augenarzt verweisen

 

C. Allergische Konjunktivitis

Allergische Konjuntivitis = allergisch bedingte Bindehautentzündung

  • Symptome: gerötete Augen, starker Tränenfluss, Juckreiz
  • d.R. in Verbindung mit allergischer Rhinitis
  • keine Kontaktlinsen tragen, ansonsten für Applikation von Tropfen herausnehmen und frühestens 15 Minuten danach wieder einsetzen

 

->Selbstmedikation _ allergische Konjunktivitis:

  • frühzeitig (!) begonnene Therapie mit Mastzellstabilisatoren (Bsp. Cromoglicinsäure, Ketotifen) möglich (etwa 10-14 Tage früher)
  • Antihistaminika (Bsp. Azelastin, Levocabastin)
    • möglichst sofort nach dem Aufstehen einnehmen, damit bei Exposition bereits Schutz vorhanden

Anm.: wenn Symptome nicht nur auf Augen beschränkt -> systemisches   Antihistaminika

 

D. Akute Konjunktivtis

Akute Konjunktivitis = akut auftretende  Bindehautentzündung

  • d.R. bakteriell (v.a. Staphylokokken und Pneumokokken), tlw. viral (Bsp. Adenoviren)
    • Unterscheidung nur durch Arzt möglich
  • d.R. zunächst einseitig
  • begünstigende Faktoren: Immunschwäche, Staub, kleine Verletzungen
  • Symptome: Rötung, plötzliches Brennen, Druck- oder Fremdkörpergefühl, ggf. verklebte Augenränder nach Aufwachen

 

->Selbstmedikation _ akute Konjnktivitis:

  • Wismutverbindungen (Bsp. Bibrocathol) oder Vasokonstriktoren in ersten 48 h ggf. ausreichend
  • unverzüglich zu Arzt bei eitrigem Sekret und sehr starken Tränenfluss
    • wahrscheinlich topisches Antibiotikum (<- regelmäßig dosieren!; i.d.R: alle 2h tagsüber + Salbe abends vorm Schlafen)

 

Keratokonjunktivitis epidemica = hochinfektiöse virusbedingte Bindehautentzündung des Auges

  • d.R. Adenoviren
  • volkstümlich auch als „Augen-Grippe“ bezeichnet
  • Übergreifen auf Hornhaut problematisch
  • hohe Ansteckungsgefahr -> regelmäßig Hände und Oberflächen desinfizieren und Gemeinschaftseinrichtungen meiden
  • Therapie: symptomatisch (Tränenersatzflüssigkeit) -> spezifische AM nicht vorhanden (wenig Ansprechen auf antivirale AM)

 

E. chronische Konjunktivitis

Chronische Konjunktivitis = chronische Bindehautentzündung des Auges

  • d.R. harmlos -> dennoch bei wiederkehrenden Beschwerden fachärztlich abklären lassen
  • Symptome: Jucken, Sandkorngefühl, Brennen, erhöhte Tränensekretion
  • Ursachen: Staub, Wind, Rauch, Überanstrengung, nicht richtig gepflegte Kontaktlinsen
  • Behandlung: rein symptomatisch (i.d.R. Kombis aus adstringierenden, antiphlogistischen, antiallergischen und gefäßverengenden Wirkstoffen, wobei Vasokonstriktoren nicht langfristig ohne regelmäßige ärztliche Kontrolle !)

 

F. Keratokonjunktivitis sicca

Keratokonjunktivitis sicca = trockenes Auge

  • führt unbehandelt zu Austrocknung des Epithels -> Epiteldefekte (außerdem gute Angriffsfläche für Bakterien)
  • Symptome: Jucken, Brennen, ggf. Fremdkörpergefühl
  • Risikofaktoren: wahrscheinlich Hormone (v.a. Frauen betroffen), Bildschirmarbeit (verminderter Lidschlag, daher seltenere Benetzung des Auges), überheizte und trockene Räume, Klimaanlage, Autogebläse, Langzeiteinnahme bestimmter AM (Bsp. Benzodiazepine, Betablocker, trizyklische Antidepressiva, alpha-Sympthatomimetika)
  • keine topischen alpha-Symphatomimetika

 

-> Therapie _ Sicca Syndrom:

  • „künstliche Tränen“ (alle 2h) + Triglyceride oder Phospholipide (wenn Lipidschicht gestört)

Anm.: bei Funktionsstörungen der Meibom-Drüsen können diese durch Behandlung durch den Facharzt wieder geöffnet werden

  • Polyvinylalkohol, Polypyrrolidon, Zellulosederivate, Hypromellose, Polyacrylsäure, Hyaluronsäure
  • Dexpanthenol und Vit. A unterstützen Regeneration

 

->Aufbau des Tränenfilms:

  • außen: Lipidschicht = Fettschicht
    • Schutz vor Verdunstung
  • mittig: wässrige Schicht
  • innen (direkt an Hornhautoberfläche): Mucinschicht = Schleimschicht

 

*Störungen der Lipidschicht (-> trockenes Auge) können durch Funktionsstörungen der Meibom-Drüsen (<- produzieren Lipide für Tränenfilm) verursacht werden

 

*“künstliche Tränen“ sind dickflüssiger und werden daher nicht so schnell abgebaut wie natürliche Tränen (Viskositätsabhängig

  • Gele haben längste Haftung (verschleiern ggf. Sicht, daher nicht tagsüber)

 

*Tears Again® (Augenspray) enthält Phospholipide (-> mischen sich mit natürlichen Lipiden am Lidrand und werden so in Tränenfilm aufgenommen und wirken stabilisierend)

 

G. Keratokonjunktivitis photoelectrica

Keratokonjunktivitis photoelectrica = „Verblitzen“

  • Entsteht z.B. beim Schweißen, in Solarien, bei Höhensonnenwanderungen oder Gletscherwanderungen
  • Symptome: Reizerscheinungen mit Ödemen (nach 6-8h)
  • Bei starken Schmerzen Augenarzt konsultieren

 

->Selbstmedikation _ Keratokonjunktivitis photoelectrica:

  • kühles feuchtes Tuch zum Abschwellen der Ödeme
  • Diclofenac oder Ibuprofen gegen Schmerzen

 

H. Gestenkorn

Gerstenkorn = Hordeolum = bei akuten Entzündungen der Lidranddrüsen entstehende Schwellung

  • bei starken Schmerzen noch am selben tag Augenarzt aufsuchen
  • nach 2 tagen Augenarzt aufsuchen wenn Gerstenkorn nicht geplatzt oder geschrumpft ist

Anm.: keinesfalls selbst ausdrücken (!)

  • Behandlung: trockene Wärme (Bsp. Rotlicht), antibiotische Augensalben

Gerstenkorn ≠ Hagelkorn

Hagelkorn = Chalazion = nicht infektiöse chronische Schwellung aufgrund verstopfter Lidranddrüse

  • Behandlung: feuchte Wärme (z.B. in Form von Kompressen) -> öffnet Meibom-Drüsen
    • nach etwa 10 Minuten kann durch leichte Massage Sekret in Richtung Lidspalte ausgestrichen werden, dann Lidränder reinigen
  • kann tgl. durchgeführt werden bei Neigung zu Hagelkörnern (Bsp. Augenmaske von Ursopharm)
  • kann auch operativ vom Augenarzt entfernt werden

 

I. Nachtblindheit

->Anpassung des Auges an verschiedene Lichtverhältnisse:

  • Pupillenweitung bei Dunkelheit -> mehr Licht trifft auf Zäpfchen
    • Menge an Sehfarbstoffen in Fotosensoren nimmt bi geringerem Lichteinfall zu

 

Nachtblindheit = deutlich reduziertes Sehvermögen in der Dämmerung und Dunkelheit

  • kann angeboren sein, oder auch von verschiedenen Erkrankungen verursacht
  • begünstigende Faktoren: A-Mangel (<- da Sehfarbstoffe aus Vitamin-A-Analogon bestehen)

Anm.: bei Psoriasis-AM Acitretin (enthält Retinoid) kann vermindertes Nachtsehen als UAW auftreten

  • Abnahme der Adaptionsgeschwindigkeit an jeweilige Lichtverhältnisse ist altersbedingt (nicht = Nachtblindheit)
    • Augen z.B. vor erwartetem Aufenthalt im Dunkeln langsam gewöhnen (Bsp. Licht vor Autofahrt zuhause schon aus)
  • Prophylaxe: Anthocyane (aus Heidelbeerextrakt) <- verkürzen auch Adaptionszeit

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