Nikotinersatztherapie im Rahmen der Raucherwentwöhnung

Im Folgenden einen weiteren Aufsatz, den ich zusammen mit dem PTA-Tagebuch eingereicht habe.

Rauchen erhöht nicht nur das Krebsrisiko sondern führt im gesamten Organismus zu erheblichen Veränderungen. Tatsächlich sind die häufigsten Todesursachen bei Rauchern Herz-Kreislauferkrankungen (Bsp. Herzinfarkt, Schlaganfall, sonstige Verschlusskrankheiten).

Inhalatives Zigarettenrauchen gilt als entscheidender Risikofaktor für das Entstehen arteriosklerotischer Gefäßkomplikationen (durch Endothelschädigungen) , was auch zu Schädigungen an den Koronargefäßen führt.

Verantwortlich dafür ist neben Nikotin v.a. Kohlenmonoxid, das bei Verbrennungen entsteht und damit auch beim Rauchen vom Anwender im Hauptstrom eingeatmet wird.

Kohlenmonoxid führt zu einer Verschlechterung der Fließeigenschaften des Blutes, da die Sauerstoffversorgung gestört wird, da Kohlenmonoxid mit der Häm-Gruppe der roten Blutkörperchen Komplexe bildet. Kohlenmonoxid besitzt nämlich eine etwa 200fach höhere Affinität zu Hämoglobin als Sauerstoff. Dadurch kann das Hämoglobinmolekül seine Aufgabe des Sauerstofftransportes zur Sauerstoffversorgung der einzelnen Organe weniger gut erfüllen, da einerseits Sauerstoff seltener an Hämoglobin bindet und anderseits die Bindung an Hämoglobin durch Kohlenstoffmonoxid stärker ist, sodass es letztlich auch nicht am Bestimmungsort ankommt. Zwar besitzt der menschliche Körper auch eine sog. Methämoglobinreduktase, deren Aufgabe es ist genau diese Komplexe zu neutralisieren, allerdings ist deren Arbeitskapazität auch begrenzt.

Raucher erreichen teilweise Werte von über 10 % CO-Hämoglobingehalt.

Ab einem Wert von 15% muss schon mit klinischen Symptomen gerechnet werden.

 

Weitere Bestandteile des Zigarettenrauches sind z.B. Epoxide, polyzyklische Aromate, N-Nitroseverbindungen, Nickeltetracarbonyl und Cadmium-Verbindungen. Von diesen Stoffen sind kanzerogene Wirkungen bekannt. Allerdings liegt die Kanzerogenität bei Rauchern so hoch, dass sie nicht allein durch im Vorhandensein dieser Stoffe begründet sein kann. Weiteres ist noch nicht geklärt.

 

Eine weitere Folgeerkrankung, die ein Raucher früher oder später entwickelt, ist eine chronische Bronchitis, da die Zilien des Flimmerepithels durch enthaltene Stoffe wie Aldehyde, Ketone, Säuren, Phenole, Metallverbindungen etc. zerstört werden.

Die für die psychische und physische Abhängigkeit verantwortliche Substanz ist natürlich Nikotin.

Die Menge an Nikotin, die mit dem Hauptstrom aufgenommen wird (20%) und dann letztendlich in der Lunge resorbiert wird (davon 90%) beträgt zur ursprünglich in der Zigarette enthaltenen Menge 18%, d.h. bei einer Zigarette, die 12mg Nikotin enthält, werden schließlich 2,16mg resorbiert.

Die letale Dosis für einen Erwachsenen beträgt im Übrigen 50mg.

Da Nikotin über die Bronchialschleimhaut und die Bronchiolen relativ schnell im Gehirn ankommt wird der spürbare Effekt auch recht schnell deutlich.

Nikotin wirkt euphorisierend, atemstimulierend und pulserhöhend. Daher ist nachvollziehbar, dass „die Kippe am Morgen“ für viele Raucher den Start in den Tag darstellt, dass für viele Raucher die Kippe da sein muss, da ansonsten direkt zu Entzugserscheinungen wie Gereiztheit, Nervosität, Konzentrationsschwäche, Kopfschmerzen und auch einem starken Hungergefühl kommt.

Die Problematik beim „Loskommen“ von Suchterkrankungen sind allerdings nicht unbedingt an 1. Stelle die genannten Entzugserscheinungen sondern v.a. das immer wieder einsetzende Verlangen aufgrund der Gewöhnung, aufgrund des mitunter jahrelangem Aufbau eines Suchtgedächtnisses.

Schwierig ist auch Desintegration der simplen Tätigkeit „eine zu rauchen“ in den Tagesalltag, da meist eine Vielzahl von alltäglichen Handlungsabläufen mit dem Suchtgegenstand, in diesem Fall Rauchen, in Verbindung stehen.

An dieser Stelle zeigen Verhaltenstherapeutische Maßnahmen oft Wirkung. Das ist dann das Thema von Selbsthilfegruppen oder Privatsitzungen beim Therapeuten oder mitunter auch einfach privates Tagebuchschreiben o.ä., was immer hilft hilft.

Was wir als Apotheke freiverkäuflich anbieten können nennt sich „Nikotin-Ersatztherapie“.

Dabei gibt es je nach Anbieter zwei Modelle.

Raucherentwöhnung mit sofortigen Rauchstopp oder Raucherentwöhnung mit anschließendem Rauchstopp. Das Ziel ist so oder so komplett mit dem Rauchen aufzuhören.

Der Vorteil liegt darin, dass Nikotin dem Körper weiterhin zugeführt wird um Entzugserscheinungen und Verlangen zu mindern und man außerdem auf sämtliche schädlichen Zusatzstoffe, die im Zigarettenrauch noch vorhanden sind, verzichtet.

Mögliche Darreichungsformen sind Lutschtabletten, Kaugummis, Sprays, Inhaler, und z.B. Pflaster.

Die Dosis der Nikotin-Ersatzpräparate richtet sich nach der ursprünglichen Rauchdosis zu Beginn der Therapie.

Ehemals starke Raucher profitieren erfahrungsgemäß von einer kombinierten Therapie aus Pflastern und Lutschtabletten etc., mäßig starke und Raucher mit weniger Zigaretten pro Tag können eher auch mit der alleinigen Anwendung von Kaugummis zum Erfolg gelangen oder mit der erst späteren Umstieg auf Pflaster.

Der Vorteil von Pflastern liegt bei einer kontinuierlichen Wirkstofffreisetzung. Der Nachteil, und damit auch der Grund weshalb sich Pflaster oft nicht als Einstieg in ein rauchfreies Leben eignen, liegt darin ebenfalls, da es nicht dem ursprünglichen Rauchmuster entspricht, denn das Suchtgehirn, das Gehirn allgemein, reagiert auf die Befriedigung eines dringenden Bedürfnisses (Rauchen wollen) auf konditionierte Art, im Falle von Rauchern i.d.R. Belohnung. Bei einem dauerhaften Reiz kommt es nicht zum Aufbau des Bedürfnisses in gewohnter Form und es fallen direkt Unmengen von Bestätigungen pro Tag weg, die ein Gehirn auf Entzug so dringend braucht, wodurch das gesamte Unterfangen gleich zu Beginn sehr unbefriedigend sein kann.

Allgemein wird empfohlen eine Nikotinersatztherapie nicht länger als 6 Monate fortzuführen.

Außerdem darf sie nicht angewendet werden bei: Angina pectoris, Herzinfarkt, Schlaganfall, schwere Arrythmien, hochgradige Hypertonie und bei schweren arteriellen Verschlusskrankheiten.

 

Im Folgenden ein kurzer Ausblick über die Möglichkeiten einer Nikotinersatztherapie mithilfe von Nicorette.

 

Nicorette bietet alle bereits genannten Darreichungsformen an.

Kaugummis sind erhältlich in 3 Geschmacksrichtungen (freshmint, freshfruit, whitemint) und zwei Stärken (2mg, 4mg).

Die 4mg Kaugummis sind gedacht für ehemalige Raucher, die 20 Zigaretten pro Tag oder mehr geraucht haben. Wer weniger geraucht hat sollte es zunächst mit den 2mg Kaugummis probieren.

Als weiteren Indikator für eine starke Abhängigkeit sieht Nicorette die erste Zigarette des Tages innerhalb von 20 Minuten nach dem Aufstehen zu rauchen (bzw. zu rauchen zu wollen). Das Verfahren leibt bei beiden Stärken gleich, auch die Maximalmenge von 16 Kaugummis pro Tag besteht bei beiden.

Entschließt man sich für die Raucherentwöhnung mit anschließendem Rauchstopp ist der Plan seinen Konsum nach und nach zu reduzieren bis man auf null ist.

Die ersten 6 Wochen sind dem Ziel gewidmet auf min. 50% weniger Zigaretten pro Tag zu kommen. Das sind bei einer Ausgangslage von 20 Zigaretten pro Tag im Durchschnitt jeden 4. Tag eine weniger. Also überlegt man sich zu Beginn und dann alle vier Tage (in diesem Fall) welche Zigarette am einfachsten zu substituieren ist und ersetzt diese durch das Kaugummi.

Nach 6 Wochen reduziert man weiter bis man innerhalb von 6 Monaten gar nicht mehr raucht. Genauso beginnt man auch die Kaugummis zu reduzieren.  Als Empfehlung von Nicorette gilt die Kaugummis abzusetzen sobald man bei einem bis zwei pro Tag angelangt ist.

Wichtig bei den Kaugummis ist, dass sie auch wirklich gekaut werden, nicht gelutscht. Sobald man den Geschmack schmeckt den Kaugummi in die Wangentasche schieben bis der Geschmack wieder nachlässt, wieder kauen und in die andere Seite schieben. Das sollte etwa 30 Minuten anhalten.

Mehr als 16 Kaugummis pro Tag sollte man keinesfalls nehmen.

Entschließt man sich für einen sofortigen Rauchstopp substituiert man direkt nur mit den Kaugummis (oder z.B. Tabletten). Als Richtwert in den Ersten Wochen gelten 8-12 Kaugummis pro Tag, sofern man nicht sowieso schon unter dieser Dosis ist.

Nach 4 – 6 Wochen sollte man anfangen die Anzahl der Kaugummis pro Tag zu reduzieren und die Zeiten zwischen ihnen immer weiter zu verlängern bis man nur noch zwei pro Tag braucht, dann kann man absetzen.

In Schwangerschaft oder Stillzeit sollten sämtliche Produkte mit Nicotin nicht angewendet werden, allerdings kann nach Rücksprache mit dem Arzt zur Einsicht gekommen werden, dass das Nutzen-Risiko-Verhältnis z.B. bei nikotinhaltigen Kaugummis gegenüber Zigaretten positiver ist.

Ein weiteres Nicorette-Produkt ist der Inhaler.

Der Vorteil dabei ist die ähnliche Handhabung wie beim Rauchen einer Zigarette.

Auch hier gilt die Grenze von 20 Zigaretten oder weniger pro Tag oder mehr als 20 Zigaretten und auch hier kann unterschieden werden zwischen sofortigem Rauchstopp (dabei wird jede Zigarette durch den Inhaler ersetzt) oder Rauchentwöhnung mit anschließendem Rauchstopp.

In den Inhaler eingesetzt werden sog. Patronene. Eine Patrone reicht für 7 Anwendungen.

Eine Anwendung dauert 10-20 Minuten, da der Nikotingehalt geringer als bei einer herkömmlichen Zigarette ist, sodass entsprechend häufiger gezogen werden muss.

Als Richtwerte gelten:

3-4 Patronen bei gerauchter Zigarettenmenge pro Tag vor Beginn der Anwendung von max. 20 Zigaretten.

4-6 Patronen bei gerauchter Zigarettenmenge pro Tag vor Beginn der Anwendung ab 21 Zigaretten.

Diese Werte gelten auch bei verzögertem Rauchstopp.

Die ersten 12 Wochen wird mit diesen Werten fortgefahren, dann wird begonnen die Züge am Inhaler zu reduzieren. Abgesetzt werden kann wenn man nur noch eine Anwendung pro Tag braucht.

Am Inhaler selbst kann im Übrigen tatsächlich wie an einer Zigarette gezogen werden.

Vorsicht ist in diesem Fall nur geboten, da die benutzten Patronen immer noch kleine Nikotinmengen enthalten. Diese daher außer der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Quellen

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