Schutzmasken zur Senkung des Infektionsrisikos

Das ist einer der Aufsätze, die ich für das Tagebuch eingereicht habe:

Die momentane Masken-Situation ist chaotisch. Zu Beginn der Corona-Krise hieß es noch in vielen Medien, Masken jeglicher Art würden die Gesundheit durch ein falsches Sicherheitsgefühl gefährden und seien sowieso vollkommen nutzlos. Inzwischen ist die Maskenpflicht eingeführt, doch sämtliche momentan geschehenden Lockerungen führen natürlich nicht dazu die „Compliance“ im Hinblick auf das Tragen von Masken und das Einhalten von weiteren Sicherheitsregeln im Bezug auf die derzeitige Corona-Situation zu erhöhen.

In diesem Text allerdings geht es ausschließlich um die verschiedenen Arten von Masken, die momentan im Alltag einer öffentlichen Apotheke beratungstechnische Relevanz haben.

Ich weise an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass sonstige Sicherheitsmaßnahmen (z.B. Abstand halten, Gruppenansammlungen meiden), ob apothekenbezogen (z.B. Botendienste) oder nicht, in diesem Text nicht behandelt werden, genauso wenig wie auf die gesetzlichen Bestimmungen zur Abgabe und zum Verkauf bestimmter Arten von Masken, da diese durch die gesetzgebenden Instanzen selbst nicht abschließend geklärt zu sein scheint. Nichtdestotrotz ist es für uns als Apotheke im Gespräch mit dem Kunden beratungsrelevant, da der Markt momentan chaotisch ist und Masken nicht nur bei uns sondern gefühlt überall und nirgendwo zu finden sind. Genau das ist auch eine der Themen, die Kunden immer wieder ansprechen. Sie berichten von Apotheken, die Masken einzeln verkaufen, von Apotheken, die als FFP2 deklarierte Masken für 15€ verkaufen und davon, dass selbst Hörakustiker oder Gemüsehändler FFP2-Masken verkaufen und gefühlt jeder sonstige wiedereröffnete Einzelhändler verkauft OP-Masken und selbstgenähte Stoffmasken, und immer wieder taucht die Frage auf, welche Unterschiede es zwischen den verschiedenen Arten gibt, ob Staubsaugerbeutel und selbstgenähte Masken ausreichen, warum manche Masken ein Ausatmungsventil haben und was FFP-Masken überhaupt sind.

Zunächst einmal werde ich an dieser Stelle aufhören einfach nur von „Masken“ zu sprechen und die verschiedenen Arten genauer deklarieren.

Dass es im Zuge der Corona-Pandemie nicht um Faschingsmasken o.ä. geht sollte klar sein, daher wird die Definition an dieser Stelle schon einmal auf „Schutzmasken“ beschränkt.

Darunter versteht man eine Art von Maske, die das Gesicht ganz oder teilweise bedeckt und dem Schutz dieses, oder Teilen von diesem dient, genauso wie dem Schutz der Atemorgane.

Eine Schutzmaske ist demnach auch eine Tauchermaske oder z.B. eine Fechtmaske.

Ich werde im Folgenden auf diese drei Arten von Schutzmaskengruppen eingehen, die in der öffentlichen Apotheke im Verkauf, am Personal oder auch am Kunden vorkommen: Alltagsmasken, medizinischer Mund-Nasen-Schutz und Atemschutzmasken. Diese aufgezählten Masken sind „Halbmasken“. Eine Fechtmaske z.B. wäre eine Vollmaske.

 

Um der „Mundschutzpflicht“ zu genügen sind alle dieser drei Formen von Schutzmasken anwendbar, genauso auch wie ein einfacher Schal, oder sonstige Bedeckung von Mund und Nase.

 

Genau an dieser Stelle ergibt sich allerdings schon oft der erste Anwendungsfehler. Gefordert ist eine Bedeckung von „Mund und Nase“, denn beides sind wichtige Eintrittspforten zu den Atmungsorganen. Gerade weil man bei einigen Patienten schon im Frühstadium ihrer Infektion eine erhöhte Viruskonzentration im Rachenbereich festgestellt hat wird davon ausgegangen, dass das einer der Gründe für die so groß vermutete Ansteckungsrate sein kann. Daher ist es wichtig überhaupt eine Schutzmaske zu tragen um den Mund zu bedecken und das Risiko einer Übertragung durch Tröpfcheninfektion (z.B. durch Sprechen) zu senken. Allerdings hat man v.a. in schleimproduzierenden Becher- und Flimmerzellen der Nase eine erhöhte Genexpression von Genen, die mit dem Viruseintritt assoziiert sind, festgestellt, was auch sehr für eine große Bedeutung nasaler Verbreitung des Virus spricht. Die Bedeckung nur des Mundes ist gerade im Hinblick auf diese Erkenntnisse nicht zielführen.

Die eigentliche Bezeichnung einer „OP-Maske“ als „medizinischer Mund-Nasen-Schutz“ kennzeichnet die richtige Trageweise auch schon im Namen, dennoch sieht man immer wieder Menschen, die sie so nicht tragen.

 

Der medizinische Mund-Nasen-Schutz wird auch als „OP-Maske“ bezeichnet, weil er z.B. im Zuge einer chirurgischen Operation vom Chirurg getragen wird um die offenen Stellen des Patienten nicht durch Tröpfcheninfektion durch den Chirurgen und das OP-Team zu kontaminieren.

Damit dient die Maske dem Schutz des Patienten und nicht des Chirurgen selbst und ist damit nach MPG §3 Abs. 1a ein Medizinprodukt.

Eine Op-Maske besteht aus ein- oder mehrlagigen Papier- oder Vliesschichten, tlw. auch aus einer mittleren Filterschicht und einem Draht auf der vorderen Oberseite zur Befestigung der Maske an der Nasenpartie und Gummibändern zur Befestigung an den Ohren. Einige Produkte weisen auch eine Nasenkammer auf.

Die OP-Maske dient dem Schutz des Chirurgen nur in der ersten Abwehr von Spritzer ggf. kontaminierter Flüssigkeiten.

Genauso ist dies auch im Zuge der Corona-Situation zu betrachten. Wird der Träger aus ausreichend weiter Entfernung z.B. angehustet ist es nicht so, dass eine OP-Maske gar keinen Schutz bietet. Ein gewisser Spritzwiderstand ist gegeben, die Viruslast der Atemluft wird verringert. Steht derjenige allerdings einem direkt gegenüber ist die Geschwindigkeit des Tröpfchenfluges (beim Husten) und der damit entstehende Druck zu stark. Der Träger selbst schützt sich v.a. insofern, dass es sich nicht mehr bzw. weniger oft ans Gesicht (Mund, Nase) fasst und damit sich womöglich an seinen Händen befindliche Kontamination dadurch nicht direkt an die Eingangspforten befördert.

In 1. Linie aber schützt eine Maske dieser Art das Umfeld des Trägers mechanisch vor einer höheren Viruskonzentration sozusagen in der „Sprechluft“.

 

Der Unterschied zwischen einem „medizinischen Mund-Nasen-Schutz“ und einer selbstgenähten Maske ist dass ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz in oben genannte Parameter wie z.B. „Spritzwiderstand“ und  anderen (z.B. bakterielle Filterleistung, Ausatemwiderstand) um verkehrsfähig zu sein (im europäischen Wirtschaftsraum) einer Norm entsprechen muss.

Als Medizinprodukt wird die OP-Maske mit dem CE-Kennzeichen gekennzeichnet. Dieses wird nach bestandenem Konformitätsbewertungsverfahren erteilt. Die jeweiligen EU Normen sind der Qualitätsstandart, sozusagen der Basiswert dieser Konformitätsbewertungsverfahren.

Je nach Risikoklasse des Medizinproduktes kann die Prüfung auf Konformität durch den Hersteller selbst (Klasse 1) erfolgen, oder muss durch ein unabhängiges Prüfinstitiut erledigt werden (Klasse 2 und 3).

 

Parameter, die im Bezug auf einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz geprüft werden sind u.a. die bakterielle Filterleistung, die Druckdifferenz und der Spritzwiderstand.

Die bakterielle Filterleistung gibt die Leistungsfähigkeit des Materials hinsichtlich dessen Verwendung als Barriere gegen bakterielle Penetration an, d.h. inwiefern das Material Widerstand gegen das Eindringen von Bakterien bietet. Anhand ihres Wertes bzgl. bakterieller Filterleistung werden OP-Masken in zwei Gruppen unterteilt. Typ I besitzt eine bakterielle Filterleistung von min. 95%, Typ II besitzt eine bakterielle Filterleistung von min. 98%.

Unter der Druckdifferenz wird die Luftdurchlässigkeit der stofflichen Barriere durch die Maske verstanden. Sie gilt auch als Indikator für den Atemwiderstand.

Dem Spritzwiderstand zugrunde gelegt ist die Fähigkeit einer medizinischen Gesichtsmaske der Penetration von synthetischem Blut, welches mit einem spezifisch festgelegtem Druck aufgebracht wird, zu widerstehen. OP-Masken, die diesem Parameter entsprechen sind Masken des Typ II, sie bekommen die Zusatzkennzeichnung R (d.h. Typ II R).

 

Neben Parametern dieser Art darf eine mit CE gekennzeichnete Maske aus keine Materialien bestehen, die den Träger schaden (z.B. krebserregende Stoffe oder zu hohe Keimbelastung des Ausgangsmaterials) oder verletzen (z.B. durch unsaubere Verarbeitung, scharfe Kanten oder Ecken) oder dem bestimmungsgemäßen Gebrauch nicht standhalten (z.B. indem sich Nähte oder Stoffe auflösen oder z.B. die Maske vor der vom Hersteller vorgegebenen Zeit durch die Atemluft und/oder die Luftfeuchtigkeit der Umgebungsluft durchweicht).

 

Alltagsmasken oder „Community-Masken“ oder „DIY-Masken“ unterliegen solchen gesetzlichen und norminativen Regelungen nicht.

Niemand gewährleistet, dass verwendete Materialien nicht schädlich sind, dass dem Nutzer die Chance gegeben wird die korrekte Anwendung einer individuellen Mund-Nasen-Bedeckung zu verstehen, oder dass er bei Unverständnis oder Beschwerden eine Bezugsadresse hat und es gibt auch keine Angabe irgendeines Zeitwertes für welche Anwendungsdauer eine Maske vorgesehen und geprüft wurde und sowieso sind „wenig gesicherte, generalisierbare Aussagen zu ihrer Effektivität als Schutz vor der Übertragung von Infekten oder Feinstaub“ zu treffen.

Der große Vorteil bei Alltagsmasken ist natürlich, v.a. durch den nicht vorhandenen bürokratischen und forschungs- bzw. prüfgegebenen Aufwand, die schnelle und einfache Produktion und auch wenn man wenig sichere Daten zur Wirksamkeit und Effektivität in diesem Bezug hat kann man zumindest davon ausgehen, dass die Atemstromgeschwindigkeit und der Speicheltröpfchenauswurf reduziert wird. Es besteht mitunter auch die Hoffnung, dass allgegenwärtiges Maskentragen das Bewusstsein für „social distancing“ (Abstand halten) stärkt.

So gesehen hat das Tragen von Alltagsmasken sicherlich ein eher positives Nutzen-Risiko-Verhältnis, aber ich denke, dass man zumindest im Hinblick auf die Unbedenklichkeit von Materialien darauf achten sollte möglichst keine Materialien zu verwenden, bei denen jetzt schon der Verdacht besteht gesundheitsschädlich zu sein, weil man das Verhältnis von sicherlich positiv zu ganz klar negativ verschiebt (z.B. Staubsaugerfilter, gefärbte Stoffe). Vor allem Staubsaugerfilter enthalten teilweise antibakterielle Pulver, die nach sachgemäßem Gebrauch nicht dazu vorgesehen sind freigesetzt zu werden sondern im Inneren des Filters sitzen.

Jedenfalls gilt sowohl für Alltagsmasken als auch für OP-Masken, dass eine direkte Keimbelastung reduziert werden kann, wen auch wahrscheinlich in unterschiedlichem Ausmaß, allerdings stellt keine dieser Ausführungen eine ausreichende Infektionsschutzmaßnahme dar, da im Wesentlichen nicht unbedingt durch das Vlies bzw. den Stoff geatmet wird sondern auch großteils daneben vorbei, was gerade in geschlossenen Räumen relevant ist.

Wichtig ist um den Schutz zu erhöhen, das Maskeninnere möglichst nicht mit den Händen zu berühren, v.a. nicht mit nicht gewaschen und desinfizierten Händen. Beim auf- und absetzen der Maske diese an den Schnüren oder Ohrbändern greifen und entsprechend anbringen.

Bei den klassischen grün-weißen oder blau-weißen OP-Masken ist die weiße Seite die innere Seite, die mit dem Gesicht direkt in Berührung kommt. Bei OP-Masken, die komplett weiß sind ist es i.d.R. die Seite, die unten liegt, wenn man sie aus der Packung nimmt.

OP-Masken haben im äußeren oberen Rand oft einen Draht um die Maske der Gesichts-Nasenkontur anzupassen. Dieser Rand kommt also nach oben.

Manche DIY-Masken haben dies ebenfalls.

Den Draht Draht mit der Hand entsprechend an die Nase drücken. Bis auf dieses eine Mal aber, wie gesagt, die Maske auch an der Außenseite so wenig wie möglich, möglichst überhaupt nicht berühren.

Auch vor dem Absetzen der Maske die Hände wieder waschen und desinfizieren.

OP-Masken sind Einwegprodukte und weichen durch die Ausatmungsluft v.a. beim Sprechen schnell durch.

Durch die momentane Corona-Situation besteht eine pandemiebedingte Ausnahmeregelung, dass Masken nach entsprechender hinreichender Dekontamination wiederverwendet werden können, allerdings ist noch nicht abschließend geklärt wie so eine Dekontamination auszusehen hat.

Alltagsmasken sind i.d.R. waschbar. Hierbei kommt es auf die verwendeten Materialien an, z.B. Jerseystoffe überstehen eine Wäsche bei 60 Grad nicht unbedingt, wobei man davon ausgeht, dass der Corona-Virus lipophil ist weshalb wichtig v.a. die Verwendung von Seife bzw. eines Waschmittel ist.

Auch beim Händewaschen wird daher immer die Verwendung von Seife betont.

Allerdings kommt es ja auch darauf an nicht das Risiko einer Superinfektion unnötig zu erhöhen und das Waschen von Masken bei 40 Grad mit Waschmittel bringt wahrscheinlich etwas gegen den Corona-Virus, tötet aber eine Vielzahl von Bakterien nicht ab, die sich dann beim weiteren Tragen der Maske im feucht-warmen Klima der Ausatemluft an der Innenseite der Maske wunderbar vermehren und die der Träger dann wieder einatmet.

Neben Alltagsmasken und OP-Masken gibt es noch Atemschutzmasken.

Atemschutzmasken zählen anders wie der medizinische Mund-Nasen-Schutz nicht zu den Medizinprodukten sondern zur persönlichen Schutzausrüstung und fallen damit nicht unter die gesetzliche Grundlage des Medizinproduktegesetzes sondern unter die PSA-Verordnung, da ihr primärer Zweck nicht darin liegt den Patienten oder Kunden (OP-Maske) zu schützen sondern den Träger der Maske.

Innerhalb der Unterteilung der „Atemschutzmasken“ gibt es drei Klassen: FFP1, FFP2 und FFP3.

FFP steht dabei für „filtering face piece“ (partikelfiltrierende Halbmasken).

Sie schützen je nach Ausführung vor Partikeln bis zu bestimmten Größen und wässrigen oder öligen Aerosolen. Vor Gasen und Dämpfen wird i.d.R. kein Schutz geboten, dafür sind gesonderte Gasfilter notwendig.

Die Wirkung von FFP-Masken beruht auch auf ihrem jeweiligem Filtermedium, allerdings auch auf einer elektrostatischen Komponente, die Staub- und Flüssigkeitspartikel bindet.

FFP-Masken entsprechen der EU Norm EN 149 und besitzen das CE-Kennzeichen.

Wie auch Medizinprodukte durchlaufen sie ein Konformitätsbewertungsverfahren bei dem ihre Eignung gemäß der Norm geprüft wird.

Bestandteil dieser Norm ist z.B., dass FFP-Schutzmasken im Gegensatz zu zuvor genannten Masken so eng an das Gesicht anliegen, dass eine Aus- und Einatmung „an der Maske vorbei“ nur minimal vorkommt.

Quellen:

 

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